#1 Die Sachsen und die Völkerschlacht von Admin 23.12.2011 08:24

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Quelle: Leipziger Volkszeitung 22.12.2011
Die Sachsen und die Völkerschlacht
Reinhard Münch legt zwei neue Bücher vor / Interessante Details über das Jahr 1812
Gleich zwei neue Bücher hat Reinhard Münch zur Völkerschlacht geschrieben: Druckfrisch im Tauchaer Verlag ist "Auf dem Weg zur Völkerschlacht" erschienen, indem der Autor Sachsen im Jahre 1812 beschreibt. Bereits November hatte bei Pro Leipzig das Buch "Des Königs Butterkrebse" Premiere.
Er ist ein Fachmann beim Thema Napoleon: Reinhard Münch hat schon öfters zur Völkerschlacht publiziert, beispielsweise das 2008 erschienene Buch "Vive L'Empereur - Napoleon in Leipzig" geschrieben, in welchem er die entscheidenden Tage im Leben des Kaisers in der Geschichte Leipzigs anhand von Dokumenten, Aufzeichnungen und Erlebnisberichten rekonstruierte. Kurz vor dem großen Jubiläum der Völkerschlacht 2013 widmet er sich einem weiteren Thema: Weit über zwanzigtausend Sachsen sind 1812 mit Napoleons Armee nach Russland gezogen. Wie es zu diesem entscheidenden Feldzug kam, der letztlich mit der Abdankung des französischen Kaisers die Ära Napoleons endgültig besiegelte, ist noch heute ein Phänomen, das auch von Historikern schwer zu erklären ist. Münch interessiert dabei vor allem das sächsische Königreich, das durch den Krieg schwere Wunden verkraften musste. Wer verstehen will, wie es zum Feldzug kam und was 1812 mit den Sachsen passierte, findet interessante Details. Los geht es im ersten Kapitel mit jener "todbringenden Kleiderlaus", die schon vor Beginn der Schlacht Generalleutnant Freiherr von Gutschmidt dahinstreckte. Jener Kommandeur der zweiten Division, so erfährt der geneigte Leser, ist wohl nicht ein Opfer seiner Trunksucht geworden. Es waren wohl Parasiten, die das Läusefleckfieber übertragen, die zu seinem Tode führten. Das war noch vor dem ersten Gefecht, zu welchen die Sachsen im Juli 1812 gen Osten aufbrachen. Detailreich schildert Münch die einzelnen Schlachten, wobei die Sachsen wohl "mit dem freudigsten Mute", wie zu lesen ist, zur Schlacht schritten. Kranke Offiziere meldeten sich trotz Fiebers zum Dienst. Gemeine Soldaten, die überhaupt nicht diensttauglich waren, mussten mit Strenge abgehalten werden, sich nicht doch den Truppen noch heimlich anzuschließen. So erlebt der Leser die Schlacht von Borodino, immerhin eine der blutigsten im 19. Jahrhundert, mit ihren vielen Opfern. Sächsische Kürassiere erstürmten die Rajewskischanze, die das Schlachtfeld dominiert. Aber auch von Strapazen und Kälte im russischen Winter, der im Oktober Einzug hielt, ist die Rede. Alles endet im tragischen Februar 1813 in Kalisch. Bereits auf dem Rückzug, wurden die Sachsen an jenem Ort noch einmal von den Russen angegriffen. Angenommen wird, dass nahezu 16000 Sachsen ihr Leben beim Feldzug oder als Folge davon verloren.

Interessant ist ebenso "Des Königs Butterkrebse". So wurden die Leibgrenadiere des sächsischen Königs wegen ihrer gelben und roten Uniformteile genannt. Im Mittelpunkt des reich illustrierten Buches stehen die Aufzeichnungen von zwei Brüdern. Die Gardeoffiziere Franz und Friedrich von Dreßler berichten von den für Sachsen so schicksalhaften und dramatischen Ereignissen des Jahres 1813. Dadurch erhält der Leser auch einen Einblick in den Alltag der Leibgrenadiere, die seit 1663 zunächst für den Schutz der Kurfürsten und Könige Sachsens zuständig waren, später aber auch als besonders gut ausgebildete Gardetruppen eingesetzt wurden. Dabei bietet Münch selbstverständlich eine geschichtliche Einordnung.Mathias Orbeck
iDas Buch "Auf dem Weg zur Völkerschlacht" ist im Tauchaer Verlag erschienen und kostet 9,95 Euro; das Buch "Des Königs Butterkrebse" ist bei Pro Leipzig für 13 Euro zu haben.

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